Vom Rettungshaus zum Leinerstift

Namensgeber, Johann Heinrich Leiner (1830 – 1868), war der erste Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Mittegroßefehn. Im engen Kontakt zu Johann Hinrich Wichern, dem Gründer des Rauhen Hauses in Hamburg und dem Initiator der Inneren Mission in Deutschland, gründete er 1864 in seiner Gemeinde ein Armenhaus.Die Armut war groß in den Fehngemeinden: Familien zerbrachen, Kinder hatten keine Eltern, Menschen waren obdachlos. Nach der Auffassung von Pastor Leiner sollten diese Menschen nicht nur Geld zur Linderung ihrer Not bekommen, sondern im Armenhaus Unterkunft und Verpflegung erhalten. Gleichzeitig wollte er gemeinsam mit ihnen neue Perspektiven für ihre Existenz entwickeln.

Sehr bald jedoch erkannte er, dass die gemeinsame Unterbringung von Erwachsenen und Kindern den Bedürfnissen junger Menschen nicht entsprach. Und so gründete er 1865 eine Kommission (heute Verein) für die Errichtung des Ostfriesischen Rettungshauses in Großefehn: “Darum denken wir zunächst im Anschluss an die neu errichtete Armenanstalt zu Großefehn, die einen Hausvater bekommt, der in der Brüderanstalt des Rauhen Hauses ausgebildet ist, eine Familie bis zu 12 Knaben zu sammeln und der Erziehung eines ebendaselbst gebildeten Gehülfen unter der Oberaufsicht des Hausvaters anzuvertrauen…” (Fliegender Brief des Ostfriesischen Sonntagsboten, Nr. 8, S. 64, 1865).

Am 10. November 1868 zogen unter dem Geleit einer großen Schar von Festgästen die Kinder in das neue Heim ein. 50 Kinder hatten in dem neuen Haus Platz, um darin zu wohnen, zu lernen und zu arbeiten. Bis Weihnachten 1868 waren schon 24 Kinder aufgenommen. Pastor Leiner starb mit 38 Jahren, er hat die Einweihung des Rettungshauses nicht mehr miterlebt. Im Gedenken an seinen Gründer wurde das Ostfriesische Rettungshaus später in “Leinerstift” umbenannt.

100 Jahre später setzt das Leinerstift mit dem Neubau des alten “Rettungshauses” einen ersten Meilenstein für seine zukünftige Weiterentwicklung als moderne Jugendhilfeeinrichtung.

J.-H. Leiner und .... - Kopie

Zeitstrahl

2016

Auch 2016 gibt es Veränderungen im Leinerstift:

  • am 01.08.2016 geht das Jugendatelier mit ganz neuen und frischen Ideen, neuen Mitarbeitern und vielen jungen Menschen an den Start
  • um den 10.10.2016 zieht die Familientherapeutische Wohngruppe Fokus in ihren Neubau am Postweg 49 in Großefehn, ehemals Ulenhus ein

2015

Am 11.09.2015 öffnet ein völlig neues Projekt seine Türen für die Öffentlichkeit, die Therapeutischen Wohngruppen. Und die Flüchtlingswelle hat das Leinerstift erreicht, ab Oktober 2015 nimmt das Leinerstift unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf!

2014

2014 wird die Tochtergesellschaft OKJFH umbenannt in Leinerstift Ostfriesland Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, kurz Leinerstift OKJFH gemeinnützige GmbH

2013

2013 übernimmt das Leinerstift das Gelände der Parkgärtnerei Jürgens in Mittegroßefehn und der Förderverein Kulturpark Mitte e.V. gründet sich und eröffnet den Kulturpark Mitte

2012

2012 wird als weitere Tochtergesellschaft die Leinerstift Akademie GmbH, als Multiplikator von Wissen und Erfahrung für Menschen aus der Praxis, gegründet
und die Ostfriesische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe GmbH (OKJFH) mit Wohngruppen in Großheide und Moordorf wird Tochtergesellschaft des Leinerstifts
sowie  in diesem Jahr die Eröffnung des Regionalbüros für Erziehungsstellen in Berlin

2011

2011 wird die Mädchenwohngruppe Auryn und das Angebot „JuLe“ (Junges Leben) für Mütter/Väter mit ihren Kindern in der Stadt Leer eröffnet

2010

2010 erweitert die Tochterfirma AllerHand ihr Angebot an Jugendberufshilfen mit der Eröffnung des Dorfladens in Großefehn
und die Außenstelle der Johann-Heinrich-Leiner-Schule in Leer-Loga wird eröffnet

2009

2009 wird in Oldenburg das Regionalbüro für Erziehungsstellen eröffnet

2008

2008 übernimmt das Leinerstift auf Borkum in der Inselschule die Schulsozialarbeit und engagiert sich mit Flexibel organisierten Hilfen (FloH)

2007

2007 ziehen die Tagesgruppe in Cloppenburg und die Wohngruppe in Aurich, neuer Name “Akzente”, an neue und funktionellere Standorte
und die Clearinggruppe mit Notaufnahme nimmt ihre Arbeit auf. Junge Menschen in akuten Krisen können aufgenommen werden, eingehende Diagnostik ist ein Kernbestand dieser Gruppe.
Auch in diesem Jahr, gründet das Leinerstift seine Tochterfirma AllerHand gGmbH und bietet damit wieder Jugendberufshilfen an, nachdem die Ausbildungswerkstätten 2006 wegen geänderter Förderungsbedingungen schließen mussten

2006

2006 wird, die seit 1982 sehr erfolgreich verlaufende Arbeit der Maler- und Holzwerkstatt mit Berufsausbildung, aufgrund veränderter Förderbedingungen eingestellt
in diesem Jahr wird der Therapeutische Fachdienst umstrukturiert und die Zusammenarbeit mit allen internen Bereichen und die Kooperation mit externen Therapeuten und Kinder- und Jugendpsychiatrien intensiviert und vertieft

2004

2004 beginnt die 5-Tage-Gruppe “Fokus” ihr Arbeit mit dem Hilfeangebot Heimerziehung von jungen Menschen mit „Rückkehroption“ ins Herkunftssystem, begleitet und gefördert durch intensive Familienarbeit

2002

2002 nehmen die ersten Erziehungsstellen Kinder und Jugendliche auf, die aus unterschiedlichsten Gründen langfristig oder dauerhaft von ihrer Familie getrennt leben müssen

1994

1994 beginnt eine Partnerschaft zwischen der Rehabilitationseinrichtung Zaklad Poprawczy i Schronisko dla Nieletnich w Raciborzu (www.zpisdn-raciborz.pl) und dem Leinerstift

1993

1993 werden die Flexibel organisierten Hilfen (FloH) ins Leben gerufen. Sie sind auf eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und/oder intensive ambulante Einzelbetreuung ausgerichtet

1992

1992 wird  in Marcardsmoor/Wiesmoor die erste heilpädagogische Wohngruppe für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf eröffnet

1991

1991 nimmt in Emden die erste Tagesgruppe ihre Arbeit auf. Das neue Hilfeangebot soll junge Menschen und ihre Eltern darin unterstützen, Familien- und Erziehungskrisen ohne Heimunterbringung des “Problemkindes” zu lösen

1982

1982 beginnt die Maler- und Holzwerkstatt mit der Berufsausbildung von Jugendlichen aus dem Leinerstift und der gesamten ostfriesischen Region

1980

1980 wird in Oldenburg die erste Familienwohngruppe gegründet. Der alte Grundgedanke der Familienerziehung von Wichern, verband sich mit der Neuorientierung des Leinerstifts als Jugendhilfezentrum mit dezentralisierten Hilfeeinrichtungen

1969

1969 wird die Johann-Heinrich-Leiner-Schule in Großefehn eingeweiht. Als Heimsonderschule gegründet, nimmt sie seit vielen Jahren auch externe SchülerInnen mit erhöhtem Förderbedarf auf.