Anfang 2025 gab es 85 Betten in Reha-Kliniken für suchterkrankte Kinder und Jugendliche bei 200.000 betroffenen Jugendlichen allein mit substanzbezogenen Störungen in Deutschland. Sie denken, das ist viel zu wenig? Ab Juli 2026 werden es nur noch 25 Betten sein. Denn der größte Versorger auf diesem Gebiet, die suchtmedizinische Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche Dietrich Bonhoeffer Klinik, muss ihren Betrieb zum 30.06.2026 einstellen. Dahinter steckt ein strukturelles Systemversagen, das die schwächsten unserer Gesellschaft, suchterkrankte Kinder und Jugendliche, unversorgt lässt.
Steigende Zahlen bei der Rauschgiftkriminalität mit einem Trend zum sinkenden Alter Konsumierender wurden Ende letzten Jahres im Bundeslagebericht zur Rauschgiftkriminalität veröffentlicht. Die DAK-Suchtstudie machte Schlagzeilen mit der Erkenntnis, dass Millionen Kinder in Deutschland Probleme durch Medienkonsum haben und die Anzahl der durch Mediensucht betroffenen Kinder und Jugendlichen steigt. Diese und andere Zahlen senden ein deutliches Signal: Wir haben ein gesellschaftliches Problem mit Suchterkrankungen bei jungen Menschen.
Gleichzeitig fehlt es an einer strukturellen Versorgung dieser Bedarfsgruppe, die auf verschiedene Problematiken zurückzuführen ist:
Problem 1: Fehlende Behandlungsangebote für suchterkrankte Kinder und Jugendliche
Die suchtmedizinische Rehabilitation im Jugendalter setzt eine qualifizierte Entzugsbehandlung (QE) voraus. Doch schon hier besteht Unterversorgung: Nur rund 250 Behandlungsplätze in 20 Schwerpunktkliniken gibt es bundesweit. Die Wartezeiten betragen 4–6 Monate – eine Zeitspanne, in der sich der Substanzkonsum meist verschärft, häufig mit dramatischen Folgen bis hin zum Tod durch Überdosis oder Suizid.
Problem 2: Mangelnde Strukturen in der Versorgungskette suchterkrankter junger Menschen
In Deutschland existieren über 13.200 Plätze in Reha-Einrichtungen allein für Erwachsende mit substanzbezogenen Störungen, für Kinder und Jugendliche sind es derzeit noch 85 Plätze für alle Abhängigkeitserkrankungen. Auch Anlaufstellen für suchterkrankte junge Menschen und ihre Angehörigen gibt es kaum: Selbst Fachleute, wie Kinderärzte oder Drogenberatungsstellen wissen oft nicht, wie sie mit suchterkrankten Kindern und Jugendlichen umgehen sollen oder welche Angebote es für diese spezielle Bedarfsgruppe gibt.
Problem 3: Unzureichende Finanzierungsgrundlage für suchtmedizinische Kinder- und Jugendreha durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV)
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit suchtmedizinischer Jugend-Rehaeinrichtungen ist systemisch untergraben. Die Strukturreform des Vergütungssystems der Deutschen Rentenversicherung reduziert einen ohnehin schon zu niedrigen Kostensatz, sodass eine medizinische, therapeutische und pädagogische Grundversorgung nicht kostendeckend gewährleistet werden kann.
Dringend benötigtes Angebot, das nicht aufrechterhalten werden kann
„Es ist paradox: Auf der einen Seite legalisieren wir den Konsum der Droge Cannabis, und gleichzeitig schaffen wir die rehabilitative Versorgung suchterkrankter Kinder und Jugendlicher de facto ab“, macht Wolfgang Vorwerk, Vorstand des Klinikträgers der Leinerstift Gruppe deutlich. „Wir sind Ende 2024 bei der Übernahme der Dietrich Bonhoeffer Klinik mit der festen Überzeugung angetreten, dass wir gute Lösungen für alle Beteiligten und vor allem die abhängigkeitserkrankten jungen Menschen und ihre Familien finden können. Von zahlreichen Seiten wurde uns signalisiert, dass es dieses Angebot unbedingt braucht. Über ein Jahr haben wir uns intensiv darum bemüht, mit den verschiedenen Kostenträgern und der Politik tragbare Einigungen zu treffen. Leider wurden wir eines Besseren belehrt und müssen konstatieren: Die Kostenträger ermöglichen keine finanzielle Lösung, bei der eine qualitative und für die Patientengruppe zielführende Fortführung des Klinikbetriebs möglich ist“, so Vorwerk weiter.
Zurück bleibt große Ernüchterung und Sorge. Die Dietrich Bonhoeffer Klinik steht stellvertretend für das, was bundesweit gebraucht wird: eine sektorübergreifende, evidenzbasierte und jugendspezifisch angepasste Versorgung für suchterkrankte junge Menschen. Das Aus der Klinik verschärft eine ohnehin schon angespannte Versorgungssituation bis hin zur fast vollständigen Aufhebung der leitliniengerechten Versorgung suchterkrankter Kinder und Jugendlicher in Deutschland.
Großefehn, 28. August 2025 – Berliner Luft im Leinerstift: Die Bundestagsabgeordneten Anne Janssen (CDU) und Johann Saathoff (SPD) informierten sich kürzlich vor Ort über die Arbeit der diakonischen Einrichtung mit Sitz in Großefehn. Die Politiker erhielten zunächst einen geschichtlichen Einblick in die Anfänge des ersten ostfriesischen Rettungshauses im 19. Jahrhundert – dem Ursprung des heutigen Leinerstifts.
Bei einem anschließenden Rundgang über das Gelände konnten sich die Gäste ein Bild von der Vielfalt der Angebote machen, die das Leinerstift mit seinen rund 1.000 Mitarbeitenden heute leistet. In entspannter Atmosphäre bei einer Tasse Ostfriesentee entwickelte sich ein intensiver Austausch zu aktuellen Herausforderungen in der Sozialen Arbeit und deren Stellenwert in der politischen Debatte.
Vorstand Wolfgang Vorwerk freute sich über das Interesse und das offene Gespräch: „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Politik unsere Arbeit wahrnimmt und sich mit den realen Bedingungen in sozialen Einrichtungen auseinandersetzt.“
Sowohl Anne Janssen als auch Johann Saathoff zeigten sich beeindruckt vom Engagement und der Bandbreite der diakonischen Arbeit des Leinerstifts. Die gesammelten Eindrücke wollen sie mit nach Berlin nehmen – mit dem Ziel, die Anliegen sozialer Einrichtungen in die politische Arbeit einfließen zu lassen.
Kolping Hochschule Gesundheit und Soziales und Leinerstift e.V. kooperieren im dualen Studium
Großefehn/Köln, 07. August 2025 – Der Leinerstift e.V. freut sich, zukünftig offizieller Kooperationspartner der Kolping Hochschule Gesundheit und Soziales zu sein. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Qualität der Ausbildung in der Sozialen Arbeit nachhaltig zu stärken und Studierenden eine fundierte, praxisnahe Qualifizierung zu ermöglichen – online, regional vernetzt, interdisziplinär und zukunftsorientiert.
Ab dem Wintersemester 2025/26 startet die Kooperation mit dem dualen Studiengang Soziale Arbeit, bei dem Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt sind: Die Kolping Hochschule übernimmt die wissenschaftliche Lehre, während der Leinerstift e.V. den praktischen Teil an seinen Standorten gestaltet. Zwischen 8 und 10 Studierende werden im ersten Durchlauf erwartet.
„Die Kolping Hochschule ist eine moderne Online-Präsenz-Hochschule, die eine exzellente akademische und praxisnahe Grundlage schafft, um als Fachkraft in der Jugendhilfe qualifiziert und professionell arbeiten zu können“, so Wolfgang Vorwerk, Vorstandsvorsitzender des Leinerstift e.V. „Dank der digitalen Struktur können wir unsere Standorte optimal vernetzen und gemeinsam mit dem hervorragenden Team der Hochschule ausbilden.“
Soziale Arbeit weitergedacht: Teilhabe, Eingliederungshilfe und Prävention im Fokus
Die neue Bildungspartnerschaft richtet sich nicht nur an zukünftige Fachkräfte in der Jugendhilfe, sondern öffnet sich explizit auch für Themenbereiche wie Eingliederungshilfe, Teilhabe und Suchthilfe. Die Studierenden sollen gezielt auch in diesen Feldern Praxiserfahrungen sammeln und lernen, wie Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen professionell unterstützt und gleichzeitig in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden können.
„Wir sehen Soziale Arbeit als interdisziplinäres Feld, das Lebenswelten verbindet, Barrieren abbaut und Menschen in ihrer Mitwirkung an der Gesellschaft stärkt“, erklärt Vorwerk. „Dazu gehören eben nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene mit komplexem Unterstützungsbedarf. Der Studiengang bereitet auf genau diese Vielfalt vor.“
Offen für weitere Partner – gemeinsam an der Zukunft sozialer Berufe arbeiten
In Ergänzung zur Online-Lehre steht der persönliche Austausch im Fokus: Die Studierenden des Leinerstifts werden als Team zusammenarbeiten – offen für weitere Träger, die sich dieser zukunftsweisenden Kooperation anschließen möchten. Die Kolping Hochschule bringt dabei nicht nur ihre wissenschaftliche Expertise ein, sondern auch die Bereitschaft, gemeinsam mit Praxispartnern neue Zertifikatsformate, Weiterbildungsangebote und Forschungsprojekte zu entwickeln.
„Theorie und Praxis gehen bei uns Hand in Hand“, betont Rektorin Prof. Dr. Edith Hansmeier. „Mit dem Leinerstift gewinnen wir einen starken und erfahrenen Partner – nicht nur in der Jugendhilfe, sondern auch in angrenzenden Handlungsfeldern wie der Eingliederungshilfe oder Suchtprävention.“
Die offizielle Unterzeichnung des Kooperationsvertrags fand in Großefehn statt – begleitet von intensiven Gesprächen über gemeinsame Perspektiven und Visionen.
Vielen Dank an alle Besucher, Aussteller und den Leinerstift Kollegen die unserer Event, „Advent im Park“ am 08.12.2024 zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Wir haben für euch ein Video produziert damit dieses schöne Veranstaltung bei allen in Erinnerung bleibt.
Der erste „Advent im Park“ liegt hinter uns. Und er war ein voller Erfolg. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Schon der Gottesdienst in der Rundbogenhalle am Vormittag war gut besucht. Das gemütliche Hütten-Weihnachtsdorf lud anschließend zum Bummeln ein. Viele Lichter, Musik und weihnachtliche Düfte sorgten besonders in der Dämmerung für eine ganz besondere Atmosphäre.
Hunderte von Besucher*innen strömten den ganzen Tag über durch den Park, ließen sich von den kreativen und kulinarischen Angeboten verführen und berühren. Sie kamen ins Gespräch mit den „Omas gegen Rechts“, mit den Leuten vom Verein „Aurich zeigt Gesicht“ und informierten sich über das Programm des Landkreises Aurich „Partnerschaft für Demokratie“. Und die „Tafel“ hatte mit alkoholischen und nicht-alkoholischen Heißgetränken das richtige Rezept gegen das nass-kalte Wetter.
Einige suchten sich vor Ort einen Tannenbaum aus und nahmen ihn direkt mit nach Hause. Andere plünderten den Weihnachtswunschbaum im Café im Park und spendeten für die dort angehängten Wünsche. Mehr Weihnachten geht nicht.
Die Kirchengemeinde Mittegroßefehn, viele Gruppen aus dem Umkreis, Kolleg*innen und junge Menschen aus dem Leinerstift wirkten mit. Sie beteiligten sich an der Vorbereitung, brachten eigene Ideen ein, halfen beim Aufbau und übernahmen den Verkauf in den Hütten.
Dafür ein herzliches Dankeschön. Und vielleicht ja auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr…!
Das Leinerstift aus Großefehn fördert und unterstützt das Theaterprojekt „Stille Nacht“, das am kommenden Sonntag in der Johann-Heinrich-Leiner-Kirche in Mittegroßefehn Premiere feiert. Das Stück mit knapp 40 Mitwirkenden thematisiert die Weihnachtsflut im Jahr 1717 und wird in ostfriesischen Kirchen aufgeführt. „Wir freuen uns über das kulturelle Angebot in der Region und unterstützen es gerne“, sagt Vorstand Wolfgang Vorwerk. „Besonders schön ist, dass auch junge Menschen, die im Leinerstift betreut werden, Teil dieser Gruppe sind.“
Das Leinerstift fühle sich – nach wie vor – sehr verbunden mit der Region und seiner Geschichte. Das sei besonders mit dem Freilichttheater „Dat Rettungshuus“ im Jahr 2022 noch einmal deutlich geworden, so Vorwerk.
„Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung“, sagt die Initiatorin des Theaterprojektes, Andrea Henkelmann. Man habe sich bewusst dafür entschieden, die Aufführungen kostenfrei – dafür aber auf Spendenbasis – anzubieten. „Eine finanzielle Rückendeckung ist da sehr hilfreich.“
Die verheerende Weihnachtsflut im Jahr 1717 hat Tod und Verwüstung über die Menschen in Ostfriesland gebracht. Mehr als 11 000 Menschen sterben, Gebäude werden zerstört und Tiere ertrinken qualvoll in den Fluten. Mit szenischen Erzählungen und dazu passender Musik soll im Musiktheater „Stille Nacht“ an die wohl größte Naturkatastrophe in der Geschichte Ostfrieslands erinnert werden. Die insgesamt 14 Aufführungen beginnen am 3. November in Mittegroßefehn und enden am 10. Januar in Riepe.
Zur Info: Im Flyer sind die Termine der Aufführungen aufgelistet. Es werden Zusatztermine am 05. Januar um 19 Uhr in Reepsholt und am 10. Januar um 19 Uhr in Riepe angeboten.
Hier im Leinerstift haben wir viele wunderbare Menschen, die Experten auf ihrem Gebiet sind. Wir können es kaum erwarten, dass du uns kennenlernst!
Name: Marie-Luise Lingnau-Hoogestraat (im Alltag nur Hoogestraat)
Berufsbezeichnung:
Inklusionsfachkraft / Schulbegleitung
Arbeitsort:
An einer Grundschule in Emden
Wie kann man sich deine Arbeit verstellen?
Die Grundschule ist eine sogenannte „Brennpunktschule“: Sie liegt in einem einkommensschwachen Stadtteil, viele Eltern sind bildungsfern, der Anteil der Schüler:innen mit Migrationshintergrund und vielfach (noch) mangelnden Deutschkenntnissen ist hoch. Anstelle von Helikopter-Eltern haben wir es oft mit Eltern zu tun, die sich (zu) wenig kümmern. Ich bin einer festen Klasse zugeteilt; aktuell arbeite ich in einer ersten Klasse, die ich – wie schon zweimal vorher – durch die Grundschulzeit begleite. Ich unterstütze die Lehrkräfte, indem ich mich besonders um die Schüler:innen außerhalb des „Mainstreams“ kümmere, damit der Unterricht möglichst flüssig verläuft und alle Kinder Lernfortschritte erzielen. Ich erkläre Aufgaben noch einmal, übe mit Kindern einzeln oder in Kleingruppen, beantworte Fragen, schlichte Konflikte, …
Kein Tag ist wie der andere, es gibt immer Überraschungen, die Arbeit macht mir viel Freude!
Wie und warum hast du beim Leinerstift angefangen?
Eine Bekannte hatte mir von ihrer interessanten Arbeit als Schulbegleitung (bei einem anderen Arbeitgeber) erzählt. Nach dem Umzug von Berlin nach Emden war ich auf Arbeitssuche, fand kurze Zeit später die Stellenannonce des Leinerstifts und habe mich beworben. Als Diplom-Soziologin und Ergotherapeutin bin ich zwar eine Quereinsteigerin in die Pädagogik, kann aber meine früheren Berufserfahrungen und meine Lebenserfahrung (ich werde demnächst 59) gut einbringen.
Was ist eine Sache, von der du dir wünschst, dass mehr Menschen davon wissen?
Wie wichtig es ist, Kinder unabhängig von ihrer Herkunft zu fördern und ihnen Chancen für eine erfolgreiche Schullaufbahn zu bieten.
Was ist etwas, von dem du dir wünschst, dass mehr Menschen davon wissen? ODER Gibt es neue Technologien oder Theorien, die du im Moment wirklich interessant findest?
Künstliche Intelligenz – ich finde die Möglichkeiten einerseits faszinierend, andererseits aber auch erschreckend.
Wenn du auf magische Weise über Nacht eine neue Fähigkeit (echte oder Superkraft) erlernen könntest, welche wäre das?
Ich würde gerne Arabisch können, um besser mit vielen Schüler:innen und ihren Eltern, die (noch) mangelnde Deutschkenntnisse haben, zu kommunizieren.